Idylle

Immer saßen sie dort. Abend für Abend. Auf der Bank am See und fütterten die Enten. Ein nettes Paar. Blickten stets in die gleiche Richtung, auf den See. Jeden Abend, wenn ich meine Runden um den See drehte.

Heute ist sie allein. Ob er krank ist? Sie füttert die Enten. Wie immer. Ich jogge noch eine Runde. Sie sitzt immer noch da und füttert die Enten.

„Guten Abend. Darf ich mich setzen?“

Sie nickt nur stumm und schaut nicht auf. Jetzt sitze ich auf seinem Platz!

„Ich jogge jeden Abend um den See“, fange ich nochmal an. Sie nickt stumm und blickt auf den See, in dem sich die Abendsonne goldrot spiegelt.

„Freue mich immer, wenn ich Sie hier sehe. Mit Ihrem Mann.“

Sie füttert weiter die Enten und schaut mich nicht an.

„Ist er krank, Ihr Mann?“

Das Wasser plätschert sanft ans Ufer. Zufrieden schnattern die Enten. Ich stehe auf und will mich verabschieden.

„Habe ihn vergiftet. Heute Morgen.“ Sie sagt es leise, flüstert fast. Noch immer blickt sie auf den See.

„Rattengift. Ratte ist Ratte.“