Der September der Sinne und ein sperriger #

Ist euch auch schon aufgefallen, wie visuell unser Alltag geworden ist?
Statt unsere Gefühle zu benennen, nutzen wir Emojis. Beschreibende Anleitungen werden durch Bilder ersetzt. Und im Wahlkampf strapazieren gerade unzählige Plakate unseren Sehnerv. An jeder Laterne hängen sie: bekannte und unbekannte Gesichter, mal forsch grinsend, meist dezent lächelnd. Darunter, daneben, dazwischen markante Sprüche. Manchen stimmt man gerne zu, andere reizen mich zum Widersprechen.
An der Litfaßsäule ruft ein Fastfood-Konzern auf, seine Produkte jetzt besonders günstig zu konsumieren. Ein paar Meter weiter an der Bushaltestelle möchte mich ein großes Möbelhaus zum Kauf einer neuen Küche animieren. Dazu locken Veranstaltungsplakate an der Apotheke, beim Metzger oder im Supermarkt zum Stadtfest, zum Konzert, auf die Kirmes. Manchmal hilft da nur, Augen zu und durch. Manchmal.
Mir hat das beim Supermarkt allerdings ein Knöllchen eingebrockt. Ich habe sie nicht gesehen, die Hinweisschilder, dass hier nur noch straffrei einkaufen darf, wer eine Parkscheibe gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe seines Automobils platziert. Dumm gelaufen. Jetzt weiß ich es. Und gehe nur noch zu Fuß einkaufen. Sicherheitshalber. Falls ich mal wieder in Eile bin (wie immer also) und dann vergesse, die Parkscheibe aus dem Handschuhfach zu pulen und die Zeit exakt einzustellen ohne meine Armbanduhr, die bestimmt zu Hause neben der Spüle liegt, weil ich doch nur mal eben in den Supermarkt springen will, um Brot und Aufstrich zu besorgen und somit das Überleben der Familie zu sichern.
Obwohl man also die Augen nicht einfach verschließen sollte, wird literarisch den anderen Sinnen meiner Meinung nach zu wenig Beachtung geschenkt. Deshalb wollte ich den Familienurlaub ganz bewusst nutzen, um meine Sinne bei einander zu haben und zu halten. Ich wollte die neue Umgebung, das fremde Land, die unbekannte Stadt erschnüffeln, betasten, erspüren, schmecken und belauschen, statt alles nur durch das Objektiv der Kamera zu betrachten. Ob mir das gelungen ist und wie gut, könnt ihr diesen Monat hier in verschiedenen Beiträgen erfahren und gerne bei Facebook oder Twitter unter #frankundfreiSinnreichreisen eure eigenen Erfahrungen beisteuern. Bestimmt ergibt sich für euch und für mich so der ein oder andere Tipp zum Schreiben/Lesen. Und natürlich gibt es dabei auch etwas fürs Auge. Viel Vergnügen bei meinen Urlaubserinnerungspralinchen* aus Frankreich.

*Warnung: übermäßiger Genuss kann zu Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen führen

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