Jurybegründung für den Sonderpreis des Leverkusener Short-Story-Wettbewerbs 2011

Die Frage, wie man eine gelungene Kurzgeschichte schreibt oder konzipiert, ist einfach zu beantworten. Man schaffe eine hohe Dichte aus Zeit, Raum und Ereignis und führe diese zu einer vorbereiteten Wendung, die alles wieder auseinandersprengt. Das hört sich allerdings einfacher an, als es ist. Und wenn dann auch noch, wie in unserem Wettbewerb um den Leverkusener Short Story Preis, die Länge der Geschichte begrenzt ist, wird es noch schwieriger. Es waren 6.000 Zeichen erlaubt, das sind ca. drei Seiten. Bei vielen Einsendungen konnte die Jury feststellen, dass die Autorinnen und Autoren mit dieser Begrenzung gerungen haben. Einige Geschichten mussten auch ausgeschlossen werden, das sie zu lang waren. Aber für die Autorin der Geschichte „Idylle“, Barbara Steuten, war die Begrenzung kein Problem. Ihre Geschichte steht auf kaum mehr als einer halben Seite.

In den wenigen Sätzen ihrer Geschichte finden sich die Merkmale der gelungenen Kurzgeschichte wunderbar auf das Notwendige reduziert. Wunderbar, da trotz der Kürze die Charaktere lebendig werden und ein Geschehen vor dem geistigen Auge erscheint. Nach dem grandiosen Ende sind wir um eine Erfahrung reicher. Wir bekommen etwas zum Nachdenken serviert, dass uns viel länger beschäftigen kann, als es dauert, die Geschichte zu erzählen. Dennoch hätten ein paar Sätze mehr der Geschichte „Idylle“ nicht geschadet, sondern die Substanz vergrößert. Es geht ja auch bei unserem Short-Story-Wettbewerb nicht darum, möglichst die kürzeste Geschichte einzureichen. Aber da die Grundlage und die Zutaten dieser Story wirklich perfekt sind, wollte die Jury diese kurze Kurzgeschichte unbedingt mit einer Auszeichnung würdigen.