1. Urlaubspralinchen: Eine Wanderung an der Küste #frankundfreiSinnreichreisen

Gestern Abend bei Hirschhausens „Quiz des Menschen“ habe ich gelernt, dass man bei feuchtem Wetter besser riechen kann*. Ist das auch der Grund für die unterschiedliche Wahrnehmung von Nordsee und Mittelmeer?
Wer an die Nordsee fährt kann das Meer schon riechen, bevor man es sieht. Fährt man an die französische Mittelmeerküste, sieht man das Meer schon von Weitem blau leuchten, bevor man überhaupt eine Chance hat, „Witterung“ aufzunehmen. Das ist einerseits der Topografie geschuldet: Nordsee-Vorland ist so platt, dass man nicht übern Deich gucken kann, während die massiven Bergketten der Provence bis an die Küste reichen, wo sie in sanften Hügeln auslaufen oder als imposante Felsformationen ins Wasser stürzen. Andererseits riecht das Mittelmeer auch dann kaum, wenn man darin schwimmt.
Mein erstes Urlaubspralinchen berichtet von einer kleinen Wanderung an der Côte d’Azur:
Der Nationalpark hinter unserem Hotel scheint gesperrt zu sein. Waldbrandgefahr.  Wir rätseln über das französische Schild, das mitten auf dem Weg steht, als uns eine junge Parkwächterin anspricht, ob sie uns weiterhelfen kann. Wir wechseln ins Englische und sie erklärt uns, dass wir „am Strand entlang“ bis zur nächsten Badebucht gehen können.
Sand schwappt in meine Sandalen. Im Schatten der Bäume ist es angenehm. Vom Wasser schallt Kinderlachen zu uns hoch. Wir kraxeln über Steine, Wurzeln und Treppenstufen aus dicken Holzbowlen. Unter uns das Meer. Azurblau. Glasklar. Es duftet nach Kiefern, Pinien und Harz. Zu Hause ist das der Duft, der Weihnachten ankündigt. Doch bei den hohen Temperaturen löst er keine Weihnachtsstimmung aus.
Auf dem Weg entdecke ich Wurzeln, die von vielen Füßen glatt geschliffen wurden. So kommt ihre rot-braune Maserung wunderschön zur Geltung.
Der Weg ist anstrengender als gedacht. Es geht auf und ab und man muss schon genau schauen, wohin man tritt, wenn man nicht ausrutschen oder sich den Fuß verdrehen will. Hin und wieder machen wir Halt im Schatten einer Pinie, um den nächsten Abschnitt in der prallen Sonne zu überstehen. Wenn uns jemand entgegenkommt, wird es auch schon mal eng. Doch mit „Bonjour“ und „Merci“ kommt jeder gut am anderen vorbei. Nach einer knappen halben Stunde sind wir immer noch mehr als einen Kilometer von der angestrebten Bucht entfernt. Wir sind zwar eingecremet, haben aber kein Wasser dabei. Zur Umkehr bewegt uns aber vor allem unser Versprechen, in einer Stunde zurück zu sein und Baden zu gehen. So erfrischend wie nach diesem Spaziergang war das Meer selten.
* Die Duftmoleküle können nämlich nur an unsere Riechrezeptoren andocken, wenn sie in Wasser gelöst sind.
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