Ein Baby namens Kati Küppers?

Es gibt sowohl männliche als auch weibliche Schriftsteller, die ihre Bücher liebevoll ihre „Babies“ nennen. Und sie sind sich einig, dass es ein unbeschreibliches Gefühl sei, das kleine Wörtchen – ENDE – unter sein Werk zu setzen.

Wäre mein Krimi-Debüt ein Baby, müsste es sich um einen Elefanten handeln, denn von der ersten Idee bis zum druckreifen Manuskript sind ungefähr zwei Jahre vergangen. Dabei dauerte das Schreiben der Rohfassung etwa neun Monate – den Gedanken an ein Baby kriegen wir bei diesen Zahlen nur schwer aus dem Kopf. Sei es drum. Ich habe das kleine Wörtchen – ENDE – unter meinen Krimi geschrieben und war erst einmal froh, ein literarisches Werk abgeschlossen zu haben. Geschafft! Soweit stimmen die Parallelen zwischen einer erlebten Geburt und dem Abschluss eines Romans. Man hat es nicht nur geschafft, man ist auch geschafft. Doch das unbeschreibliche Gefühl, das ich hatte, als ich mein Kind in den Arm gelegt bekam, blieb im Falle des Krimis aus. Weder enthusiastische Glücksmomente noch hysterische Heulattacken folgten. Langsam beschlich mich der Verdacht, dass oben genannte KollegInnen gar keine Kinder haben.

Natürlich freute ich mich, dass mein Verleger das Manuskript lesen wollte. Und als ein paar Wochen später der Vertrag ins Haus flatterte, dass mein Krimi in den Buchhandel kommt, war die Freude riesig. Allerdings ist die edition oberkassel ein kleiner, wenn auch feiner Verlag, der jeden Monat nur ein Buch heraus bringt. Für das kommende Jahr (2016) waren schon jede Menge Bücher geplant und die größte Herausforderung der nächsten Monate hieß WARTEN. Wer mich kennt, weiß, dass ich in dieser Disziplin keine Medaille erwarten kann.

In der Zwischenzeit überarbeitete ich das Manuskript wieder und wieder, bis ich es leid war. Dann suchte ich mir eine Handvoll Testleser, die Logikfehler aufdeckten und wertvolle Hinweise auf Stärken und Schwächen einzelner Textpassagen gaben. Am wichtigsten war mir aber, dass sie Kati Küppers, meine Ermittlerin, mochten. Und dass sie auch dann noch gerne weiterlasen, als sie bereits ahnten, wer der Mörder ist. Ihr Feedback war sehr hilfreich, denn überraschende Wendungen zu schreiben ist fast so schwer wie sich selbst zu kitzeln.

Schließlich kam mein Manuskript im April dieses Jahres auf den Prüfstand:
Frau Dr. Mechthilde Vahsen nahm meinen Roman unter die Lupe. Würde er ihrem geschulten Blick Stand halten? Wieder warten. Und dann die Erleichterung, dass die Lektorin den Krimi mit großem Vergnügen gelesen hat.

Es wurde korrigiert und gestrichen, diskutiert und hinterfragt, bis wir beide zufrieden waren. Dann fuhr ich ein paar Tage an die See, um mir den Kopf frei pusten zu lassen. Als ich zurück kam, hatten sich einige Briefe angesammelt. Rechnungen, Sonderangebote, eine Ansichtskarte und ein weißer DinA4-Umschlag, in dem ich das neue Jahresprogramm meines Verlags vermutete. Welch Irrtum!

 

Statt des Jahresprogramms hielt ich die Druckfahnen von „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“ in der Hand. Und da spürte ich die erste Regung im Bauch. Ein erster Tritt, ein leichtes Boxen. Ob Kati Küppers doch noch „mein Baby“ wird, erfahren wir wohl erst, wenn ich das gedruckte Exemplar in der Hand halte.

 

 

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