Kati Küppers und der gefallene Kaplan – Leseprobe

„Sie bleiben also dabei, dass Sie kurz vor halb zehn die Sakristei verlassen und Markus Overath danach nicht mehr lebend gesehen haben?“
Kommissar Rommerskirchen hatte seine linke Pobacke auf dem Schreibtisch geparkt und betrachtete konzentriert sein Gegenüber. Mit hängenden Schultern saß Kati Küppers im Büro der Polizeiwache und nestelte am Reißverschluss ihrer Jacke. Der leichte Schal hatte sich im Ohrring verheddert, doch das schien sie nicht zu stören. Ihre Augenbrauen waren ordentlich gezupft und mit einem dunklen Stift nachgezogen. Die Wimpern waren blau getuscht und die Lippen glänzten, als hätte sie gerade in eine fettige Frikadelle gebissen. Sie schob die lila Haarsträhne hinters Ohr und hob den Kopf.
„Nee, gesehen hab ich ihn nicht mehr. Wie gesagt, nur gehört.“
Am Schreibtisch nebenan saß Polizeibeamter Tietke und tippte das Protokoll.
„Stopp“, warf er ein. Dabei sprach er das St wie in ‚Post‘ und nicht wie üblich als Scht. „Gesehen, gesagt, gehört, nee, ja. Wie jetzt? Was soll ich denn da notieren?“
Rommerskirchen warf dem Kollegen einen amüsierten Blick zu und erwiderte lässig: „Nee ist das rheinische Ja, Björn. Das hast du bald raus.“ Dann wandte er sich erneut der Küsterin zu. „Schildern Sie bitte noch einmal, was in der Kirche passiert ist.“
Kati Küppers starrte auf die Jeans des Kripobeamten mit den löchrigen und abgewetzten Stellen. Nie würde sie verstehen, warum junge Leute bereit waren, für kaputte Hosen horrende Preise zu bezahlen. Sie holte hörbar Luft.
„Also, ich bin ziemlich wütend auf mein Rad gestiegen und zur Kirche gefahren. Wenn Blitzmarathon gewesen wäre, hätten Sie mir bestimmt ein Knöllchen verpasst.“
Rommerskirchen hob die Hand und wandte sich an den Kollegen: „Schreib ‚Auf direktem Wege‘.“
Kati hob irritiert den Kopf. „Hab ich doch gesagt.“

aus „Kati Küppers und der gefallene Kaplan“
edition oberkassel Verlag, Düsseldorf
ISBN: 978-395813-0685